Bildungs- und Stadtentwicklung. Von Potenzialen zu produktiven Arbeitsstrukturen

Forum 1
Auftaktveranstaltung der Transferagenturen für Großstädte

Stadtentwicklung braucht Bildung und Bildung braucht Stadtentwicklung – darin herrscht mittlerweile Einigkeit. Sollen gerechte Bildungschancen für alle wahr werden, müssen diese Verwaltungsbereiche gemeinsam Verantwortung übernehmen. Aber wie? Unterschiedliche Handlungslogiken und Vorgaben kommen einander nur allzu oft in die Quere. Fachübergreifende Zusammenarbeit ist leichter geplant als getan. Produktive ressortübergreifende Arbeitsstrukturen aufzubauen, ist für Kommunen eine Herausforderung, mit der sie Neuland betreten.


Unterschiedliche Sprachen
Wie baut man gemeinsam eine Schule, wenn die beteiligten Ämter unterschiedliche Fachsprachen sprechen? Für die Stadtplanung beginnt das Jahr am 1. Januar, für das Schulamt zum Schuljahresbeginn. Auch das Jugendamt will mit einbezogen werden, hat aber wiederum eigene Planungszyklen. Noch heikler wird es, wenn Gelder für gemeinsame Projekte aus unterschiedlichen Programmen stammen, die jeweils eigenen Förderlogiken und Vergabekriterien folgen. Was, wenn diese Programme dann auch noch auslaufen?

So kann es gehen
Dr. Manfred Beck, Stadtdirektor von Gelsenkirchen, ist sich sicher: „Eine Lenkungsgruppe zu installieren ist ganz zentral!“ Ein interdisziplinärer fachlicher Austausch und Beratung sollte dabei das Ziel sein. „Aber die Hüter des Geldes muss ich auch mit ins Boot holen“, ergänzt Regine Möllenbeck, Leiterin des Fachbereichs Schule in Essen, und benennt damit einen wesentlichen Punkt: Kontakte wollen gepflegt sein, wichtige Entscheidungsträger frühzeitig eingebunden.

„Outside In“
Das Einbinden aller relevanten Akteure ist Uli Hellweg von der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg ein besonderes Anliegen. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ ist seine Chiffre für diejenigen, die an freiwilliger Zusammenarbeit kein Interesse zeigen. „Die Frage ist: Wie kriegt man diese Leute in den Prozess?“ Beispiele gelungener Praxis wie die IBA zeigen: Es ist möglich, gemeinsam Verantwortung für Bildung im Stadtteil zu übernehmen – aber nur dann, wenn man auch damit anfängt. Die Sprache der anderen lernt man, indem man gemeinsam arbeitet und Dinge anpackt. Cordula Feigs vom Amt für Stadterneuerung in Gelsenkirchen bekräftigt: „Bei uns hat es in der Steuerungsgruppe manchmal auch sehr kontroverse Diskussionen zum Bildungsverbund Schalke gegeben. Aber gerade das hat zu einem fruchtbaren Prozess geführt.“